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Interview
des Internet-Magazins Termin-Termin Trader mit Klaus Gagel, 17. TT: Spielt Volumen eine Rolle in Ihrem Ansatz? KG: Die Volumina, die im Orderbuch sichtbar sind, manchmal, ansonsten nicht. Das Orderbuch ist manchmal ein guter Kontraindikator: Ist es nach unten hin voller als nach oben, geht der Markt in die Richtung der meisten Orders. Es ist auf den ersten Blick ein Widerspruch. Auf den zweiten Blick aber nicht, denn man muss bedenken, daß die Orders, die sich im Orderbuch zeigen, ja auch damit rechnen, gefillt zu werden. Daher stellt das Orderbuch in meinen Augen häufiger eine Art Marktumfrage dar, wohin denn der Markt gehen könnte, als es eine Projektion der tatsächlichen Angebot- und Nachfragesituation ist. 18. TT: Vermischen Sie die Zeithorizonte? KG: Ja. Ich erlaube mir den Luxus, Trades, die kurzfristig nicht gehen in einen längeren Zeithorizont zu schieben, Allerdings überlege ich mir diese Möglichkeit schon vor Initialisierung des Trades, niemals ist ein Buchverlust der Grund, einen kurzfristig geplanten Trade in einen Positionstrade umzuwandeln. Manchmal mache ich dabei auch noch die Umwandlung von outright- Positionen in intermarket-Spreads. 19. TT: Wie wichtig ist für Sie das Money- und Riskmanagement im Trading? KG: Ohne ein konsequentes Beenden von Verlusten, insbesondere, die, die geeignet sind einen umzubringen wird man früher oder später aus dem Markt geworfen und das Kapital ist weg. Selbst erfahrene Trader sind davor nicht gefeit. Das Kontrollieren und Einhalten der Risiken ist beim Traden sicher sehr zentral, jedoch stelle ich selbst keine Berechnungen über verschiedene Risikoparameter an. Ich begnüge mich mit meinem persönlichen Equity-Chart, der aussagt, ob ich gut oder ob ich schlecht arbeite. Ich verkleinere meine grundsätzlich gehandelten Positionsgrößen in drawdown-Phasen und vergrößere die grundsätzlichen Positionsgrößen in guten Phasen. Alles was für mich beim Risiko- und Riskmanagement wirklich wichtig ist, sehe ich an meinen persönlichen Equity-Chart. Darin ist alles enthalten, Auswirkung von Erfolg und Mißerfolg. Dazu bedarf es keiner komplexen mathematischen Berechnungen. 20. TT: Würden Sie sich als intuitiven Händler bezeichnen? KG: Ja, unbedingt.
Wenn ich zu der Überzeugung gekommen bin, daß in einem bestimmten
Markt ein Bewegung mehr oder weniger unmittelbar bevorsteht, dann versuche
ich je nach Einschätzung und Zeithorizont, eine Position möglichst
preisgünstig für mich zu eröffnen. Wenn die Position
sich auch nach gewissen Toleranzen nicht so entwickelt wie ich mir das
vorstelle, nehme ich entweder meinen Verlust gleich oder überlege,
ob die Umwandlung in einen Spread oder eine Pyramide sinnvoll ist oder
ob ich der Position trotz der Überschreitung der Toleranzgrenze
eine weitere Chance geben will. 21. TT: Wie würden Sie für sich persönlich den Unterschied zwischen einem systematischen, diskretionären und intuitivem Händler definieren? KG: Während
ein systematischer Händler einen Begleiter, eine Art objektivierte
Guideline an seiner Seite hat, ist der intuitiv-denkende und diskretionär
handelne Trader auf sich alleine und seine Überlegungen zum Markt
angewiesen. Selbst bei diskretionären Händler gibt es ja einige,
die die technische Analyse mehr oder weniger stark zu Hilfe nehmen,
um Entscheidungen zu treffen. Selbst ich als intuitiver Händler
muss mir Charts anschauen und achte gelegentlich auch mal auf den ein
oder anderen Indikator, wie z.B. einen gleitenden Durchschnitt. Aber
der wesentliche Unterschied ist doch, daß der System -Trader quasi
verheiratet ist mit seinem System und dem so einfach nicht untreu werden
darf, während der intuitive sich immer die Braut aussuchen kann,
die gerade am schönsten erscheint. 22. TT: Welche Vor u. Nachteile haben Ihrer Ansicht nach systematsiches und diekretionäres Trading, wenn Sie die beiden Handelsansätze gegenüberstellen sollten ? KG: Da aktives Trading etwa hälftig mit dem Halten von Gewinnpostionen einerseits und hälftig mit dem Halten von Verlustpositionen andererseits zu tun hat, nehmen wir einfach mal die zentrale Disziplin beim Umgang mit einer Verlustposition als Beispiel: Dem systematisch agiernden Händler wird vom System gesagt, daß jetzt die Akzeptanzgrenze erreicht ist und die Position liquidiert werden muss. Dies hat aus meiner Sicht den Nachteil, daß ich immer erst warten muss, bis die Position tatsächlich zur Verlustposition geworden ist. Der Vorteil ist sicher, daß der Verlust abgeschnitten wird und man sicher vor weiteren Verlusten ist. Im diskretionären Trading ist man viel freier: Ich kann entscheiden, ob ich eine Position, von der ich ein schlechtes Gefühl habe nach kurzer Zeit mit einem Mini-Verlust oder auch Mini-Gewinn wieder zu mache. Ich kann entscheiden, wie ich meine Verlustposition manage und was ich gegebenenfalls tue (totale Liquidation, Teilliquidation oder Pyramidisierung), wenn ich je nach Marktlage zu der Überzeugung komme, daß dieses nun der beste Weg ist. Der Nachteil dabei ist -und das ist letztlich auch das psychologisch Schwere- zu erkennen, wann endgültig Ende ist und wann man die Reißleine ziehen muss. 23. TT: Was ist Ihrer Ansicht nach das Wichtigste beim Trading? KG: Einschätzung und Kontrolle sämtlicher Risiken, die beim Traden möglicherweise auf einen zukommen: Abgesehen von den Marktrisiken schlechthin muss man zusätzlich sicherlich auch bedenken, was im Extremfall in Extremsituation passieren kann: Terroranschlag, Naturkatastrophe, Ausfall aller Systeme, kein Internet, Schließung aller Märkte, etc...Man sollte sich all diese Ereignisse vor Augen führen , selbst wenn es recht unwahrscheinlich ist, dass man durch ein Extremereignis von aussen erledigt wird.Wer seine Marktrisiken kontrolliert und angemessene Positionen wählt bleibt lange genug am Markt um festzustellen, ob seine Handelmethodik greift und ganz wichtig: Er behält Geld übrig um weiterarbeiten zu können ! Ein weiterer wichtiger Faktor ist Eigenverantwortlichkeit. Jeder Akteur ist alleine für seine Handlungen und all die daraus resultierenden Folgen verantwortlich. Diese Verantwortung lässt sich nicht delegieren oder abgeben, weder an einen Broker noch an eine Software. 24. TT: Was macht aus Ihrer Sicht eine gute Handelsmethodik aus ? KG: Eine, die langfristig und möglichst stetig Gewinn erzielt. Dabei spielt der einzelne Gewinn oder Verlust ja nicht einmal der Tages- oder Wochengewinn eine Rolle. 25. TT: Suchen Sie immer noch nach neuen Setups? KG: Sich ändernde Märkte und sich änderndes Marktverhaltens erfordert die Änderung und Anpassung seiner eigenen Positionierung und auch natürlich gegebenenfalls auch Strategie. 26. TT: Welche Märkte handeln Sie und warum? Ich handle heute von Aktienindizes (z.B. DAX und S&P) über die wichtigen Zinsmärkte (z.B. Bund, 10y Note) über Devisenfutures (hauptsächlich Euro-FX) bis hin zu Gold (die 4.Währung) und Rohöl (kann man als eine Art 5.Währung betrachten). Handelbar sind für mich alle Märkte, die ausreichend Bewegung bieten und für mich als Trader faire Preise erwarten lassen. Derzeit agiere ich mit Vorliebe im Euro-FX und Rohöl. 27. TT: Wie lange halten Sie Ihre Positionen im Schnitt? KG: Zwischen 10 Sekunden und manchmal etwas über einem Jahr je nach Situation
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