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Klaus Gagel, 2000-2008
8 Jahre FUTURES-TRADER

 

Interview des Internet-Magazins Termin-Termin Trader mit Klaus Gagel,
Betreiber des Derivateportals futures-trader.de,
veröffentlicht am 22.02.2005,
Seite 2

8. TT: Aktive Trader werden diese psychischen Belastungen kennen, aber gab es denn ein richtiges „Brachialereignis“ von dem Sie sagen würden: „Das werde ich nie vergessen“?

KG: Es gab einige Brachialereignisse: Ich erinnere mich, es war –glaube ich- 1994.....damals handelte ich DAX und Bund, das waren meine hauptsächlich gehandelten Instrumente. Nach der Veröffentlichung der M3-Geldmengenzahl, die damals mit 8% erwartet wurde und mit 20,7% hereinkam, fiel der Bund innerhalb kürzester Zeit um 370 Stellen und tradete auf dem Höhepunkt dieser ausgebrochenen Panik zeitweilig mit einem Spread von 50 Ticks. Unvorstellbar für heutige Verhältnisse. Oder im Herbst 1997, der erste Asiencrash am Aktienmärkt war auch nicht schlecht, als der DAX zeitweise um 400 Punkte in Minus gefallen war. Es gibt noch weitere Ereignisse, an die ich mich erinnere, das würde jedoch den Rahmen hier sprengen. Auf jeden Fall handelte ich bei diesen Ereignissen immer behutsam gegen den Panik-Trend, was mir zunächst eine Verlustposition einbrachte, die sich aber in beiden hier beschriebenen Fällen im Laufe des Tages in eine fette Gewinnposition umwandelte.

9. TT: Glauben Sie, dass viele angehende Trader am Reifeprozess scheitern?

KG: Ja, bestimmt viele. Die meisten gehen zu schnell, unvorbereitet und mit zu wenig „Spielkapital“ in den Markt. Vor allen Dingen nehmen sich die „Jungtrader“ während der Vorbereitungsphase viel zu wenig Zeit zur Marktbeobachtung um Zusammenhänge und wiederkehrende Situationen ausfindig zu machen, wo es Geld zu verdienen gibt.
Den notwendigen Reifeprozess kann man nur durchleben durch Ausdauer, Zeit und eben ein Mindestkapital, um nicht vorzeitig aus dem Markt zu fliegen. Es ist unmöglich festzustellen ob eine Handelsmethodik tragfähig ist ohne eine lange Reihe von Trades. Es gilt Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigene Handelsstrategie aufzubauen, eine Grundvoraussetzung für Erfolg, nicht nur im Trading. Dieser Prozess kostet Zeit und Geld, und lässt sich weder verkürzen noch überspringen.

10. TT: Welches war Ihr größter Gewinn (Auch an Wissenserwerb/Erfahrung etc.)?

KG: Diese Frage kann ich so nicht beantworten. Ich habe sicher in meiner Trading-Karriere viele kleine „große Gewinne“ gehabt, die in der Summe gesehen zusammen mit den vielen Niederlagen und Verlusten insgesamt einen Erfolg ergeben. Ich sehe Gewinn und Verlust als untrennbar und auch immer in einem Zusammenhang. Möglicherweise ist mein größter Gewinn daher, genau diese Sichtweise mittlerweile verinnerlicht zu haben.

11. TT: Wie würden Sie Ihr Handelskonzept zusammenfassen?

KG: Intuitiv und mustererkennend.

12. TT: Welches Startkapital sollte man Ihrer Ansicht nach als Fulltime-Trader zur Verfügung haben?

KG: Unter der Annahme, daß das Kapital den Fulltime Trader mit Familie komfortabel ernähren soll und ein guter Trader im langjährigen Schnitt seine 20% p.a. netto auf das Kapital erarbeiten kann, reichen nach meiner Ansicht 500.000 Euro. Darunter wird er als Fulltime Trader ohne weitere sichere Einkunftsquelle vielleicht zu stark unter Druck kommen, Geld verdienen zu müssen. Vielleicht reichen auch 250.000 Euro, wenn der Typ halt besonders tough ist und es wirklich schafft. Auch mit noch kleineren Kapitalien kann man Erfolgsstories schreiben, jedoch würde ich die Wahrscheinlichkeit wirklich dauerhaft großen Erfolg zu erzielen mit zunehmend weniger Kapital zunehmend geringer einschätzen.

13. TT: Glauben Sie, dass grundsätzlich der nebenberufliche Start ins Trading möglich ist ?

KG: Ja, aber dies ist ein Prozess, der sicher Jahre in Anspruch nimmt. Letztlich habe ich auch dafür ca. 10 Jahre gebraucht, bis es soweit war. Denn eine völlige finanzielle Unabhängigkeit ist schon eine unabdingbare Grundvoraussetzung, den bürgerlichen Job zu kündigen.

14. Mit welchen Techniken arbeiten Sie bevorzugt (Candles, Indikatoren, E-Wave, etc.)?

KG: Mit keinen von denen.
Ich habe selbst viel herumexperimentiert. Die klassischen Indikatoren haben mich von ihrem Ansatz her nie richtig überzeugt, weil es letztlich einfache mathematische Operatoren sind, die auf die Zeitreihe angesetzt werden. Und da ich merkte, daß selbst meine eigenen Ansätze, Indikatoren zu entwickeln, scheiterten, stellte ich mir natürlich die Frage, wie soll ich dann denen Indikatoren glauben, von denen ich der Meinung bin, dass der Ansatz, der dahinter steckt, noch weniger überzeugend auf mich wirkt.

15. TT: Spielt in Ihrem Handel die Intermarketanalyse eine Rolle und welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Verhalten unterschiedlicher Märkte und ihrer Korrelationen zueinander ?

KG: Ja, bei der ganzheitliche Betrachtung spielt natürlich die Intermarket-Analyse eine zentrale Rolle. Wobei man sich hier vielleicht immer vorstellt, daß alles quantitativ beziffert wird. Dem ist aber nicht so: Bis auf zwei zentrale Intermarket-Spreads, die ich tatsächlich realtime berechne, mache ich sonst keine Auswertungen auf quantitativer Basis. Vielmehr beobachte ich immer genau, welche Auswirkungen externe Ereignisse in welcher Art u. Weise auf sämtliche Märkte haben und ziehe dann meine Schlüsse daraus.

16. TT: Können sie ein konkretes Beispiel nennen?

KG: Ich muss vorweg erwähnen, dass sich Korrelationen zwischen den Märkten ändern, daher hat das von mir genannte Beispiel sicher ein Verfalldatum. Nehmen wir die momentane Relation zwischen Gold in US-Dollar und Euro-FX. Momentan ist Gold ein Vorläufer für den Euro. Zeigt sich das Gold relativ zum Euro schwach, d.h. fällt der Goldpreis in Euro, so zeigt der Euro selbst mit einer mehr oder weniger größeren Zeitverschiebung Schwäche. Umgekehrt ist es so, daß sobald der Goldpreis in Euro zulegt, dies dem Euro Unterstützung gibt, und er in der Folge nachzieht.

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