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Interview
des Internet-Magazins Termin-Termin Trader mit Klaus Gagel, 1. TT: Können Sie uns etwas über Ihren persönlichen Hintergrund erzählen? Alter, Ausbildung usw. KG: Grundsätzlich verlief mein Werdegang auf zwei Säulen: Einerseits machte ich die Schule und das Studium. Ich habe in Mainz Meteorologie studiert, was in weitem Bereich nur trockene Mathematik und Physik war. Später arbeitete ich dann in diesem gelernten Beruf. Andererseits hatte ich noch in der Schule bis zum Abitur hin die Idee, mit dem Handel von Gebrauchtwagen Geld zu verdienen, was ich später dann während des Studiums auch einige Jahre machte. 2. TT: Wie kamen Sie von der Meteorologie zum Trading? Wann begannen Sie damit? KG:
Noch während des Studiums gesellten sich zu den Gebrauchtwagen
auch Aktien und Optionsscheine. Das war 1986. Mit der Gründung
des Eurex - Vorgängers Deutsche Terminbörse im
Jahr 1990 begann ich mich immer mehr für börsengehandelte
Derivate zu interessieren. 3. TT: Sie hatten nahezu Ihren ganzen Gewinn wieder abgegeben, hat Sie das in irgendeiner Form gehemmt? Dachten Sie daran, sich vom Aktienhandel zu verabschieden? KG: Das Kapital war ja nach wie vor vorhanden, lediglich der Gewinn war eben weg. Ich hatte also nach wie vor die Möglichkeit mit Aktien zu handeln, wenn ich das wollte. An Aufhören habe ich nicht gedacht, mit jedem Einzahlen in den Markt reizte moch der Handel umso mehr. Besonders nachdem 87er Aktiencrash, als sich deutsche Aktien weit weniger gut erholten als amerikanische gewann ich schnell wieder Interesse und es stellten sich in der Folge wieder Gewinne ein. 4. TT: Inwieweit hilft Ihnen Ihre wissenschaftliche Ausbildung und der Umgang mit Wahrscheinlichkeiten und statistischen Größen in Ihrem Trading? KG: Die wissenschaftliche Ausbildung verbunden mit meinem frühzeitig erwachenden Händlergeschick ist in Kombination sicher eine sehr hilfreiche Sache gewesen, ohne daß ich dies direkt spürte. Zwar habe ich auch versucht in meinen Frühzeiten des Tradings, Anfang der Neunziger vieles auf eine statistisch-wissenschaftliche Basis zu stellen, sah mich aber mit allen Ansätzen letztlich gescheitert. Meine ganzheitliche Sicht aller Märkte zusammen und das was letztlich als Konsequenz für einen anderen Markt aus einer ganz bestimmten Marktbewegung folgt bzw. folgen könnte ist nach meiner Einschätzung die einzige wirklich beständige Methode, die auch nach so langer Zeit für mich heute immer noch gilt. 5. TT: Was ist für Sie das Faszinierendste am Handel von Derivaten? KG: Das man Preisschwankungen zu seinem eigenen Vorteil ausnutzen kann, egal in welche Richtung sich die Preise entwickeln, sofern man die Richtung richtig vorhergesagt hat, ob kurz- oder langfristig ist dabei egal. Hat man einmal dieses Geschick verinnerlicht, ist man in der Lage die absolute Unabhängigkeit und völlige persönliche Freiheit zu erlangen. Sowohl für mich wie wahrscheinlich für alle anderen Trader macht dies einen großen Anteil der Faszination aus. 6. TT: Haben Sie während Ihres Tradings einschneidende Erfahrungen gemacht, aus denen Sie gestärkt hervorgingen? KG: Es gab in der langen Zeit von 1986 etliche sehr positive und sehr negative Erfahrungen. Ich stand in meinem Trading bestimmt 2 mal kurz vor dem Ende, einmal 1992 und einmal 1995. Letztlich lernt man dem Umgang mit psychischem Schmerz und großem Verlust. 7. TT: Das heißt, dass Ihr Handelskapital wesentlich geschrumpft war das was man als einen drawdown bezeichnet. War es schwierig, Ihr Konto danach wieder aufzubauen und mussten Sie dazu Ihre Strategie ändern? Oder waren Sie damals in der glücklichen Lage, Kapital nachschießen zu können? KG:
Nein, ich wollte kein Kapital nachschiessen. Ich habe nie in meinem
Leben anderes Kapital zu meinem Trading-Kapital nachgeschossen. Ich
habe mir gesagt, entweder ich verdiene hier Geld oder ich werde rausgeworfen.
Dazu hatte ich mir eine feste Summe als Anfangskapital genehmigt. Als
meine Kapitalien um bis zu 70% , gemessen am vorangegangenen Höchststand
geschrumpft waren, war es sicherlich extrem schwer, mit dieser psychologischen
Belastung wieder nach oben zu kommen. Jedoch sage ich mir
auch heute noch nach größeren Verlusten: Dann geht es eben
wieder klein-klein weiter und ich werde diszipliniert das Beste tun.
Überhaupt sind drawdowns immer sehr lehrreich für die Disziplin
und für die Zügelung des Ego`s. .............weiter zu Seite 2 des Interviews |